Es ist nicht so, dass alles unbekannt ist. Aber alles ist anders. Es ist nicht so, dass alles schön ist. Aber alles überwältigt. Es riecht, es leuchtet, es ist laut. Es ist schnell, es ist heiß, es ist quirlig. Manchmal ist es fiebrig. Und in einem anderen Moment klebt es. Aus der Hektik führt einen der Weg um die Ecke unvermittelt direkt in eine Oase tiefster Ruhe. Es gibt Kleinode der Nähe und Vertrautheit. Und in der nächsten Gasse kein Verstehen.

Die Gesichter Marrakeschs sind vielfältig

Ein Rollstuhlfahrer, der auf dem Platz vor der Zaouia Sidi Bel Abbés Moschee geduldig darauf wartet, dass man ihm ein paar Dhiram in die Hand legt und sich ehrlich freut, wenn es passiert.

Ein Restaurantbesitzer, dessen Kreditkartenmaschine nicht funktioniert. Und völlig selbstverständlich darauf vertraut, dass wir morgen wiederkommen, um ihm die fehlenden 200 Dhiram vorbeibringen, weil wir heute nicht genügend Bargeld dabei haben.

Das hundertfache This Way is closed, dass wir immer wieder geduldig hinnehmen, bis einem von uns doch mal der Kragen platzt.

Eine schmale, schattige Gasse. Zwei Frauen in einer Tür. Die junge Tochter mit blendend weißem Lachen. Die neugierigen großen Augen der Mutter, die Englisch nicht versteht. Aber hofft, uns ihr Haus verkaufen zu können. Einfach, weil wir Europäer mal so daran vorbei kommen. Und mit uns herzlich lacht, als ihre Tochter ihr übersetzt, dass unsere große Kamera wirklich nur dafür da ist, Urlaubsfotos zu machen.

Die Handwerker, die stolz ihre Werke vor die Kamera halten und sich freuen, dass sie fotografiert werden.

Die vielen Marrakchis, die erbost die Hand vors Gesicht halten, wenn ich eine Gasse fotografiere – Hey, ich kann das gut verstehen: Wenn in Hamburg jeder zweite Tourist von mir Bilder machen wollte, weil alles so wahnsinnig exotisch ist, dann hätte ich dazu auch keine Lust.

Mustapha, der uns alles geduldig erklärt und wie ein wandelndes Google Maps Wege von … nach erklärt und dabei eine Detailverliebtheit an den Tag legt, dass ich allein durch meine Begeisterung darüber eins-zwei-drei vergessen habe, wo es längs geht.

Der große Schreck, als Marions (Gesichter Marrakeschs sic!) prüfendem Blick knapp vor unserem Riad auffällt, dass ich die Kamera nach dem Abendessen im Restaurant mit 380(!) Grad Panoramablick habe liegen lassen. Der Stechschritt durch die warme Abendluft, die erstaunten Blicke, als wir im gerade schließenden Restaurant wieder auftauchen und das entspannte Gefühl, als das schwere Ding wieder über meine Schulter baumelt – Bismilah!

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