و … und dann kam Youssef. Hinaus in die Sande. Prologغ

Von Marrakesch nach OuazazarteEinige Stunden Fahrt von Marrakesch durch das Atlasgebirge liegen hinter uns. Kurz hinter dem Tizi-n-Tichka-Pass machen wir in dem kleinen Ort Taddert vor einem Gasthaus Halt. Wir steigen aus und ein Mann zeigt dringlich auf den Hinterreifen auf der Beifahrerseite. Der hat ganz ohne Zweifel einen Platten. Glück im Unglück: Ein paar Minuten später wäre die ganze Luft entwichen. Keine schöne Vorstellung auf einer sich bergab windenden Passstraße in einer Kurve plötzlich auf einer Felge unterwegs zu sein.

Ich schaue mir den Reifen genauer an und entdecke einen Nagel. Toll: Wir sind gerade mal drei Stunden auf unserer Fahrt von Marrakesch nach Ouazazarte mit dem Wagen unterwegs. Der Besitzer des Gasthauses winkt uns zu sich. Wir gehen zu ihm hinüber. Er zeigt mit seinem Finger auf unseren Wagen: No problem. Sein Finger wandert zu einem anderen Mann, der auf uns zueilt. Hammed will fix it. Come. Eat. Sein Finger ist mittlerweile auf sein Restaurant auf der anderen Straßenseite gewandert.

Es hat eine angenehm schattige Terrasse. Ein paar Katzen streichen um die leeren Tische. Ein Hahn stolziert über heißen Pflastersteine. Wir setzen uns, geben unsere Bestellung auf – Tajine und gegrilltes Lamm – und warten bei einem Minztee auf unser Mittagessen.

Von Marrakesch nach Ouazazarte: Autopanne in TaddertHamed hat währenddessen den Kofferraum geleert, den Reservereifen heraus gewuchtet, den Wagen aufgebockt, den defekten Reifen abgeschraubt und das neue Rad montiert. Ich bin an derartige Hilfestellungen nicht gewöhnt und so laufe ich immer wieder über die Straße vom Restaurant zum Wagen, stehe dort rum und lächele freundlich.

Von Marrakesch nach Ouazazarte: Reifenpanne in TaddertEine Weiterfahrt ohne Reserverad erscheint mir nicht ratsam. Nicht, wenn das erste Rad nach nur drei Stunden defekt ist. Wir beratschlagen uns. Zunächst Hamed und ich. Mit Händen und Füssen. Mit einer Klarheit, die zwei Männer verbindet, die gemeinsam ein ernsthaftes technisches Problem zu bewältigen haben. Dann Marion und ich. In einer Gelassenheit, die zwei Reisende verbindet, die gemeinsam tiefenentspannt eine lästige Widrigkeit lösen.

Von Marrakesch nach Ouazazarte: TaddertIch fahre mit Hamed in das nächste, zwei Kilometer entfernte Dorf. In einer Werkstatt, die nur aus einer Garage besteht, wird der Autoreifen wie beim Fahrradflicken in einer Zinkwanne geprüft. Das so ermittelte Loch wird mit etwas Kautschuk und einer Ahle geflickt. Und das war es auch schon.

Als ich eine Viertelstunde zurück zu Marion ins Restaurant komme, steht das Mittagessen gerade auf dem Tisch. An eine angenehmere Panne als diese kann ich mich nicht erinnern.

 

Von Marrakesch nach Ouazazarte  – Tizi n’Tichka Passstraße Von Marrakesch nach Ouazazarte – Atlasgebirge:Tizi n’Tichka Von Marrakesch nach Ouazazarte - Atlasgebirge, Tizi n’Tichka Pass Von Marrakesch nach Ouazazarte - Atlasgebirge

Ouazazarte

Ein paar Stunden später:
Circa 30 km vor Ouazazarte steht Youssef neben seinem kaputten Wagen, den er sich von einem Freund geliehen hatte. Bei 38°C im Schatten – es gibt in dieser Gegend nur selten einen – ist es kein gutes Gefühl, einen Menschen dort draußen stehen zu lassen. Ich schaue Marion kurz an. Sie nickt. Sehr schön – wir sind uns trotz der irritierenden Gefühle, die einen in so einer Situation leicht beschleichen – einig. Wir halten an, er steigt ein.

Youssef ist ein ruhiger, sympathischer Typ. Er freut sich sehr, von uns mitgenommen zu werden. In Arabien ist es wichtig, wer man ist, was man tut und wovon man abstammt: Er ist 27 Jahre alt. Er arbeitet für die Filmstudios in Ouazazarte. Er arrangiert Transporte und beschafft für die Filmteams benötigte Dinge – ist also einer von denen, die fast ganz am Ende im Abspann eines Films als „Best Boy“ erwähnt werden.

Der Großteil seiner Familie lebt in der Wüste. Sie besitzt einige Kamele. Unter anderem organisiert sie Wüstentouren für Touristen. Youssefs Mutter ist Touareg, sein Vater Berber. Er hat zehn Geschwister. Er ist nicht der jüngste.

Von Marrakesch nach Ouazazarte - Landschaft um OuazazarteNachdem er in kurzen Sätzen von sich erzählt, verfällt er in ein höfliches Schweigen. Er erträgt geduldig unsere Fotostopps und genießt die Musik, die wir auf der Fahrt hören. Wir fühlen uns mittlerweile recht wohl mit ihm auf dem Rückbank. Wir erreichen Ouazazarte. Er lädt uns auf einen Minztee ein, um sich bei uns zu bedanken. Wir nehmen seine Einladung gerne an und fahren zu seinem Haus.

Ein Schild weist uns darauf hin, dass wir hier Berberteppiche erwerben könnten. Nayra, Youssefs älterer Bruder, öffnet uns die Tür und bittet uns ins Haus. Wir gelangen durch einen kühlen Flur in das Innere des Hauses. Im Innenhof hängen Teppiche über dem Geländer im ersten Stock. Youssef geht in einen anderen Raum. Vermutlich bereitet er dort den Tee zu. Vor der Tür zu einem großen Raum zieht Nayra seine Schuhe aus und bittet uns hinein. Wir tuen es ihm gleich und folgen ihm.

Ein lebhaftes Gespräch beginnt …

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 Der nächste Tag: Die Sande #1 – Nayra

Die Bilder des Tages


Thorsten Siefert Marion Lustig
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